Kanu fahren
Ich glaube nicht mal diese Leute hier (Pfadis) können nachvollziehen, was für mich die Natur und besonders die Berge bedeuten. Momentan kann ich mich unmöglich im ehemaligen Kanucenter aufhalten. Deshalb blies ich (Mittags) mein Mätteli auf und legte mich in die Sonne – versehen mit Schreibzeug, etwas zum Lesen, sowie einem kuscheligen Pulli als Kissen.
Doch zurück zum Morgen. Felix’ Knie war absolut nicht belastbar. Also lag es an mir nach dem Erwachen Wasser zu holen, abzuwachen, das Zelt abzuräumen, seinen Schlafsack und Mätteli in die Hülle zu bringen, die Rucksäcke zu packen und alles zum See, der zum Glück nahe lag, zu tragen. Meinen Rucksack konnte ich zwar problemlos tragen, ihn jedoch nicht alleine hochheben und anziehen. Ohne das Zelt war es möglich und ich marschierte dreimal die Strecke. Zuerst hievte ich das Kanu etwas ins Wasser. Dann stieg Felix ein, ich lud unser Gepäck dazu, stiess alles tiefer ins kühle Nass und setzte mich ebenfalls rein. Überall diese Steine am Boden. Wasser ist nicht mein Element und wenn ich Angst habe dass alles kippt samt Ladung, erst recht nicht. Glücklicherweise schafften wir es dank Scampis Hilfe ohne kentern zum fünf Kilometer entfernten Kanucenter. Mit der Zeit konnte ich mich entspannen und genoss den neuartigen Anblick.

Dänen halfen beim Ausladen. „Alles alleine zu machen ist körperlich sehr streng. Insbesondere merke ich mein linkes Knie etwas mehr als in den zwei vergangenen Tagen“. Ich ertappte mich sogar dabei, das Gewicht viel mehr aufs andere Bein zu verlagern. „Deswegen ist der heutige Ruhetag sicher nur gut für meinen Körper. Eigentlich würde ich schon sehr gerne auf diesen Berg neben mir hochsteigen. Doch muss ich zwingend auf meinen Körper achten.“
Beruhigend ist, dass alle Schweizer die wir heute antrafen, ebenfalls den ganzen Tag hier verbringen werden. Die Leitung schlief vergangene Nacht am selben Ort und liess verlauten, dass der letzte Teil, der mit (über 49 Leistungskilometer) Wegweisern ausgeschilderte letzte Abschnitt angesichts der schwierigen Geländebedingungen gänzlich weggelassen werde. Dies war der Grund, warum sich viele der gut vorwärtskommenden Teams einen Ruhetag gönnten.
„Ehrlich gesagt nimmt es mich wunder, ob und wie viel ich abnahm. Mein Magen knurrt häufig. Geplant war das Essen von Felix Seite knapp und gerade als es ihm nicht gut ging, päppelte ich ihn mit meinen leckeren Zwischenmahlzeiten wieder auf.
Wir sind ein echt gutes Team. Besser hätte es bisher nicht klappen können.
Ich bin gespannt wie es morgen weiter geht – gerade für mich. Wenn mein Knie- und das hoffe ich sehr- mitmacht, möchte ich die Tour zu Fuss beenden. Ideal wäre es daher, nicht noch weitere Tage warten zu müssen (was im Fall einer Bergung sein würde).
Zum Glück ist das Wetter immer noch so toll. Beim Aufstehen hatte es zwar hohe Wolken, jedoch helle, die sich dann verzogen und nun scheint bereits wieder die Sonne. Ein laues Lüftchen weht. Vielleicht hat es deshalb so wenige Mücken. Es ist ohne Kopfnetz gut auszuhalten. Ausgenommen von gestern musste ich diesen ständig tragen. Die Plagegeister stechen sogar durch Socken und T-Shirt.“
Komplette Zivilisationsferne
