Aussetzen
Die Hunde waren ein schöner Wecker. Einer fing zu heulen an und nach und nach stiegen andere ins Geheul mit ein.
Draussen, nach kurzer Morgentoilette, hiess es als erstes das Mückennetz wieder über den Kopf zu stülpen. Praktisch alle hatten eines mitgenommen.
Wie am Vorabend waren auch jetzt, trotz nicht mehr allzu früher Stunde, viele Teams noch in den Zelten. Die Mücken sind mühsam. Trotzdem gingen Micke und ich auf eine Stadtrundtour.
So toll – ich genoss es, durch unbekanntes, x-mal darüber gelesenes, zu streifen. Die Geschäfte sind zwar klein, aber es ist praktisch unser ganzes Sortiment zu finden (gleiche Deo’s, Kleidungsstücke,…).
Zmittag assen wir im Seemannsheim; gut und günstig. Die Kirche besichtigten wir. Da sich Gelegenheit bot, benutzte ich das WC in der Kirche. Nichtsahnend wusch ich mir die Hände. Micke machte mich anschliessend darauf aufmerksam, dass das Wasser aus einer Klappe neben dem Eingang mitten auf den Kirchenvorplatz wieder austrat.

Um 14.20Uhr wurden wir mit 5 anderen Teams zum Hafen gefahren. 3. Aussetzung, 3. Halt – war unsere Bezeichnung. Zuvor legten sich einige mit Angeln ins Zeug und waren dabei sehr erfolgreich. Micke fing ebenfalls einen Dorsch, den er sogleich filetierte.
Um 18.20Uhr war es soweit: ein zweites Team (10) und wir wurden ausgesetzt. Wir orientierten uns und zogen dann los.
Zuvor hatte alle wichtigen Geräte und Zettel ich. Abends mussten wir unsere Satellitentelefone jeweils eingeschaltet haben (gehörtr zum Sicherheitskonzept). Ich gab es Micke zum Anhängen an den Gurt.
Praktisch alles für diese Reise hatte ich organisiert. Er den Kocher – funktionierte nicht mit Benzin. Seinen Schrittzähler hatte er auch noch nie angeschaut oder ausprobiert – und nun verlor er das Satellitentelefon – samt Verstand.
Seinen Rucksack warf er hin, sah weit entfernt beim Fjord ein Boot und eilte los ohne ein Wort mit mir gesprochen zu haben.
Ich musste mich zusammen nehmen wie kaum einmal zuvor. Nachdem ich ihn dazu brachte zuerst zu suchen, musste ich nachgeben und ihn zum Fjord rennen lassen. Er war richtig in Panik (das Sicherheitskonzept sah vor, dass wir täglich bis 12.00Uhr unseren Standort und Status durchgeben. Falls dies nicht geschieht, werde eine Rettungsaktion in Betracht gezogen). Etwa 30 Minuten von unseren Rucksäcken entfernt versuchte ich ihm begreiflich zu machen, dass wir als erstes unsere Utensilien holen müssen. Wenn wir uns in diesem weglosen Gelände verirrten und ohne Zelt, Nahrungs- Orientierungsmittel und Kleidung seien, wäre dies viel schlimmer als eine Rettung. Dennoch gab ich erneut nach – er war nicht zu stoppen. Tatsächlich erblickte er ein Fischerboot. Er winkte es zu sich, auch ich half irgendwann mit meinen Kenntnissen (pfeifen und Y dastehen). Irgendwie schaffte er es, mit der einheimischen Familie zu kommunizieren und machte verständlich, dass sie doch bitte in 50 Minuten nochmals kommen sollen. Wir eilten zu unseren Rucksäcken zurück (ich voraus, da ich mir den Weg merkte). Ich klaubte einen Powerriegel raus und zog, diesen schnellen Schrittes gleichzeitig essend, zum vereinbarten Treffpunkt. Erstaunt frage ich Micke, warum er erst einige Zeit später eintraf. Daraufhin antwortete er, dass er schlichtweg nicht mehr konnte.
Die Fahrt im raschen Boot gefiel mir erstaunlich gut. Vor lauter Wellen türmte es sich auf und schlug sich dann aufs Wasser nieder.
Als Dank gab ich 200DK (40Fr). Wir gingen zurück zum Camping, wo ein Viertel der Teams noch zeltete und berieten uns mit der Leitung.
Nachdem wir den gebratenen Dorsch verschlungen hatten, legten wir uns um 1.00Uhr (taghell) ins Bett.

